Teele's Gallery

Das Schiff

"Herzlich Willkommen auf dem Schiff. Dies ist voraussichtlich die letzte offizielle Aufzeichnung, die vor dem Start gemacht wird. Das Ziel dieser Aufzeichnung ist, Sie darüber zu informieren, weshalb Sie auf diesem Schiff reisen. Bitte bewahren Sie sie gut auf und geben sie an nachfolgende Generationen weiter. Das Schiff hat einen Zweck, der nicht aus den Augen vorloren werden darf."
Marvin lauschte der Aufzeichnung aufmerksam. Es war angewidert. Da nahm es sich doch tatsächlich jemand heraus, ihnen einfach so sagen zu können, was der Sinn des Lebens sei. Als hätten das nicht bereits viele Philosophen versucht. Die vorherrschende Meinung war, dass es keinen Zweck gab - das Leben ist zufällig. Damit schien sich jedenfalls fast jeder abzufinden. Aber nun taucht diese Aufzeichnung auf - gefunden von jemanden in den Archiven.
"Zum Zeitpunkt dieser Aufzeichnung schreiben wir den 23. Januar 2099. Der Ort ist die Erde. Der geplante Start des Schiffs ist in 2 Tagen."
Er war nicht schwer von Begriff, aber das hier warf mehr Fragen auf als es beantwortete. Was ist die Erde? Wann hat es mit dem 23. Januar 2099 auf sich? Dieses Datum liegt etwa Tausend Jahre in der Zukunft! Und überhaupt: um was für einen Start soll es da gehen und inwiefern betrifft er das Schiff?
"Ihre Mission ist eine große Ehre! Sie sind auserwählt, die Menschheit an andere Orte des Universums zu führen. Zeitgleich werden andere Schiffe starten und in andere Richtungen aufbrechen. Die Gemeinsamkeit ist das Ziel. Nach einiger Zeit werden Sie jedoch von der Kommunikation abgeschnitten und auf sich selbst gestellt sein."
Es wurde nicht besser. Wollte diese Person behaupten, es gäbe noch andere Schiffe? Und andere Orte im Universum? Das Universum war die tödliche Außenwelt. Wollte man dort überleben, brauchte man spezielle Anzüge und technisches Gerät. Und grade dort sollte es etwas geben, wohin man gehen wollte? Es gab alte Geschichten, in denen von den Sternen und der Reise dorthin gesprochen wurde. Aber von den Sternen ist nicht viel zu sehen, lediglich winzig kleine Punkte. Letztenendes waren diese Geschichten Motivation genug, Sonden loszuschicken. Die ältesten von ihnen sind inzwischen weit, weit weg und unsere Antennen fangen ihre Signale nicht mehr auf. Die Suche nach etwas dadraußen blieb erfolglos - die Sonden entdeckten nichts. Da draußen - also im Universum - war vielleicht nichts und die Sterne sind nur eine Illusion.

Die Aufzeichnung dauerte eine halbe Stunde. Man bräuchte einen Navigator, der die Kontrolle über die Brücke erhielt. Marvin erinnerte sich, was die Brücke war. Als er noch klein war, gab es den Brücken-Park. Es war ein schöner Ort auf der anderen Seite des Schiffs. Boden und Wände waren aus einer anderen Legierung als der restliche Teil des Schiffs. Es gab Fenster, durch die die Sterne zu sehen waren, bunte Lichter, die blinkten und Knöpfe, die nichts taten. Es war ein idyllischer Ort voller Rätsel. Er war gerne dort gewesen. Jedoch wurde die Brücke vor ein paar Jahren abgerissen um Platz für Wohnungen zu schaffen. Was ein Navigator sei oder welche Rolle er in der Brücke spielte, wurde von der Aufzeichnung nicht erklärt.

Das ganze war sehr fremd. Die Aufzeichnung schien gar nicht auf die Realität einzugehen. Vielleicht ging es auch nur darum, Verwirrung zu stiften. Denn dies würde sie zweifellos, wenn jeder davon wüsste.

Marvin entschloss sich, die Aufzeichnung zu vernichten und startete die Routine zum Überschreiben des Speichers. Eine Erinnerung rückte sich behutsam in den Vordergrund. Das Datum auf dem Totenschild seiner Großmutter: "1. Juli 982 n.Z." Was bedeutete die Abkürzung n.Z.? Sie wusste es bestimmt. Sie war eine weise Frau. Aber könnte es vielleicht sein, ... "neue Zeit"?
Der Kleine

Ich als Welterfinder und Lichtersichter,
als Wassersohn und Steingewichter,
als Sonnenstrahlenaufbewahrer,
als Luftbefüller und Sternenlager.

Ich als Himmelsgreifer und Erstseher,
als Gipfelsteiger und Goldsäher,
als Allwissenseinziger,
als Bodengräber und Geschichtenbieger.

Ich als Richtungsweiser und Kräftegeber,
als Widerstand und Wissensleber,
als Traumweltenfinder,
als Einfluss und Eidesbinder.

Ich als Lebensgeber und Einerheld,
als Kosmoslehrer und Knospenfeld,
als Eigenweltentröster,
von Groß, er Klein, der Kleine, Größter.
Freier Wille

Am Anfang entstand das Universum und all seinem Dasein wurde die Gabe des freien Willens geschenkt. Eine große Handlungsunfähigkeit füllte das Universum und so kam es eines Tages dazu, dass Daseinsbrocken sich unfreiwillig vereinten um etwas primitives zu erschaffen: das Leben. Dieses wirklich durchschaubare und gradlinige Leben enteignete das Dasein seiner eigenen Kontrolle und wuchs zu komplexeren Wesen heran. Durch besondere Gegebenheiten dieses brillianten Universums brachten die Vordersten der Kette von Leben ein Verlangen hervor. Dieses Verlangen, nein, dieser Wille schien paradox: der Wille zum freien Willen, ein Überbleibsel des ursprünglichen, begabten Daseins? Es schien so. Das tollpatschige, rücksichtslose Leben strebte nach dem freien Willen. Es erfüllte was sie ihren Geist nannten und trieb sie voran. Und eines Tages war es so weit: der freie Wille bahnte seinen Weg zurück an die Spitze und das Universum war einmal wieder frei. Aber die Freiheit ist ein flüchtiges Gut.

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